Warum ich keinen Betta mehr will

Bettas zu halten ist eine ganz schön emotionale Sache. Hätte ich nie gedacht – ist doch „nur ein Fisch“.

Nee, aber Bettas wachsen einem ans Herz.

Weil man nur einen einzelnen davon in einem Aquarium halten kann, bekommen sie sowas wie einen wirklichen Haustiercharakter. Man lernt sie besser kennen als einen aus einem ganzen Schwarm.

Die meisten Bettas kriegen einen Namen.

Meine Guppy-Mannschaft hat keine Namen. Die vielen Schnecken auch nicht.

Und weil Bettas auf den Menschen reagieren und einfach Persönlichkeit haben.

(Oder bildet man es sich nur ein, eben weil man eine engere Bindung zu ihnen entwickelt, weil man jeweils nur einen gleichzeitig halten kann?)

Der Betta sticht einfach heraus.

Bettas sind Sensibelchen

Ich habe 8 Bettas gehabt. Und verloren.

Ich habe Anfängerfehler gemacht.

Und ich hatte eine Krankheit im Becken, die ich nicht gleich erkannt habe.

Und ich hatte ein Tier, das sich selbst die zu langen Flossen zerbiss und an einer Entzündung starb.

Bettas sind Hochzuchten. Und daher vielleicht tatsächlich anfälliger.

Ich weiß es nicht.

In Jokers Fall ist das jedenfalls so. Er ist ein Dragon. Er hat so eine weiße „Lackschicht“ auf seinem Körper. Und Dragons sind dafür bekannt, dass sie zu Tumoren und Blindheit neigen, weil die Schicht auch über ihre Augen wächst.

Was für eine Qualzucht!

Ich wusste das noch nicht, als ich Joker kaufte. Ich hab immer versucht, aus meinen vorherigen Fehlern zu lernen. Hab die Becken verbessert. Hab gelernt, mit Medikamenten zu behandeln. Hab nach meinen leidvollen früheren Erfahrungen mit den Flossen extra nach einem Kurzflosser geschaut. Drauf geachtet, dass er fit, schön und gesund aussieht.

Die Dragonschicht war mir nicht bekannt und ist mir nicht aufgefallen.

Natürlich hat auch er nach wenigen Wochen die ersten Tumore an der Stirn entwickelt.

Sie können damit noch lange leben, aber schön ist das nicht. Es ist traurig, das mit ansehen zu müssen.

Noch sieht er sein Futter, noch ist er nicht beim Fressen behindert. Aber die Tumore verändern sich, und machmal scheint auch einer aufzugehen.

Ich finde es schlimm, was der Mensch sich hier anmaßt mit den Zuchtformen. Zu riesige Flossen, eine „Lackschicht“ am ganzen Körper – nur für einen – kurzzeitig – wirklich prächtig aussehenden Fisch.

Ich weiß, es gibt viele verantwortungsvolle Züchter, aber unwissende Anfänger können sich gar nicht genug belesen, weil diese Schattenseite zu selten angesprochen wird.

Häufig werden ihnen diese weißen kranken Tiere noch als Spezialität zum extra teuren Preis angedreht (neulich im Aquaristikladen (!) für 24€, wo die anderen Betta um die 10 kosteten), wohl wissend, dass sie sehr bald leiden werden – und der Halter mit.

Ich finde es jedenfalls zu schmerzhaft, wenn wieder einer meiner Bettas stirbt.

Deshalb mache ich nach Joker eine Betta-Pause.

Was wird mit Jokers Becken?

In das Becken meines Bettas wird dann erstmal der Guppy-Nachwuchs einziehen.

Wie lustig: Mein Freund meinte schon bei meinen ersten Betta-Verlusten: „Na dann hol dir doch was unkomplizierteres. Sowas wie Guppies.“

Und ich wollte partout nicht. Nichts, was nicht so viel Persönlichkeit hat, sowas Besonderes ist.

Schnöde Guppies, pah.

Inzwischen hab ich ja seine Endlers übernommen – ganz freiwillig. Er hat mich nie dazu überredet.

Und ich liebe die!

Ich liebe es, zu sehen, wie sie Nachwuchs haben. Und den Nachwuchs vor den gefräßigen Müttern und Tanten zu retten. Und sie im Aufzuchtbecken herumwuseln zu sehen. Und mit pulverisiertem Futter zu füttern, 2 x am Tag.

Ich liebe es.

Und sie kommen auch alle zusammen an die Oberfläche, sobald ich mich dem Aquarium nähere. Sie reagieren auch auf (das Futter) mich. Meine Kinder.

Deshalb bekommt dann erstmal der Nachwuchs sein größeres Aufzuchtbecken. Im Moment leben sie im 12l Schneckenbecken.

Und ich sammle die braunen Posthornschnecken wieder aus dem 54l-Becken und quartiere sie dort ein, denn es ist zu durcheinander und voll mit all den verschiedenen Schnecken. Cappucchinos, Turmdeckeln, Renn und Geweih. Und PHS.

Die größeren Guppy-Weiber drangsalieren ja die Posthornschnecken (weshalb ich alle dort rausgenommen habe). Der junge Nachwuchs lässt sie aber noch in Ruhe. Deshalb wird das schön so, im alten Betta-Becken.


Joker versteckt sich grad mehr und liegt mehr am Boden herum. Kann es sein, dass es nun nach einem guten halben Jahr schon wieder auf’s Ende zugeht?

Es ist ein Trost, schon einen Plan B bereit zu haben. Denn es geht wirklich zu Herzen, wenn der Betta stirbt.

3 Gedanken zu “Warum ich keinen Betta mehr will

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